Wochenbettdepression: Wenn das Mutterglück ausbleibt
Die Geburt eines Kindes ist ein tiefgreifendes, oft lebensveränderndes Ereignis. Viele Frauen stellen sich vor und wünschen sich, nach der Geburt ihres Babys von Glück, Dankbarkeit und Liebe überwältigt zu sein. Doch was, wenn genau das nicht eintritt? Wenn stattdessen tiefe Traurigkeit, Ängste oder Schuldgefühle dominieren? Dann kann es sein, dass eine Wochenbettdepression vorliegt – ein Thema, das immer noch zu selten offen angesprochen wird.
In diesem Artikel erfährst du, was eine Wochenbettdepression ist, wie du sie erkennst und was sie von dem sogenannten „Babyblues“ unterscheidet. Und du erfährst auch, was du jetzt tun kannst und wie du Hilfe bekommst. Egal, ob du selbst betroffen bist oder deine Partnerin, eine Freundin, Schwester oder Tochter unterstützen möchtest – hier findest du verständliche Informationen, die dich stärken und dir Orientierung geben.
Autorin: Mura Frey-Balke
veröffentlicht: 29. August 2026
Eine Wochenbettdepression ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine gut behandelbare Erkrankung. Es ist mutig über deine Gefühle zu sprechen und dir helfen zu lassen, wieder gesund zu werden.
Mura Frey-Balke, Heilpraktikerin & Expertin für Frauengesundheit, Naturpraxis Frey KölnWas ist eine Wochenbettdepression?
Eine Wochenbettdepression, auch postpartale Depression genannt, ist eine ernstzunehmende, behandlungsbedürftige psychische Erkrankung, die in den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt auftritt und etwa zehn bis 15 Prozent aller Mütter betrifft.
Anders als der vorübergehende Babyblues klingt sie nicht von allein ab, sondern hält über Wochen bis Monate an und ist mit professioneller Begleitung sehr gut behandelbar. Sie betrifft nicht nur die Mutter, sondern das gesamte Familiensystem – und sie ist häufiger, als viele denken.
Und was viele nicht wissen: auch Väter können an einer Wochenbettdepression erkranken. Dazu später mehr.
Anhaltende Erschöpfung und Antriebslosigkeit können Anzeichen einer Wochenbettdepression sein. Du musst da nicht alleine durch. (Foto: adobe)
Typische Symptome der postpartalen Depression
- Anhaltende Niedergeschlagenheit
- Interessenverlust
- Antriebsschwierigkeiten
- Schlafstörungen (auch unabhängig vom Baby)
- Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
- Emotionale Leere
- Überforderungsgefühle
- Angst, keine gute Mutter (oder kein guter Vater) zu sein
- Schwierigkeiten beim Aufbau einer Bindung zum Baby
Diese Symptome halten meist über Wochen oder Monate an und schränken den Alltag erheblich ein.
Wochenbettdepression oder Babyblues?
Nicht wenige Frauen erleben in den ersten Tagen nach der Geburt starke Stimmungsschwankungen, brechen leichter in Tränen aus oder fühlen sich innerlich unruhig. Dieser sogenannte Babyblues betrifft etwa 50 bis 80 Prozent aller Mütter und gilt als normale Reaktion auf die hormonellen Umstellungsprozesse nach der Geburt. Er beginnt meist am dritten bis fünften Tag nach der Entbindung und klingt nach etwa ein bis zwei Wochen wieder ab. Der Babyblues verschwindet von alleine wieder und benötigt keine Behandlung.
Demgegenüber steht die Wochenbettdepression. Dabei handelt es sich um eine psychische Erkrankung, von der etwa zehn bis 15 Prozent der Mütter, also etwa eine von sieben bis zehn, betroffen sind. Sie kann auch noch einige Zeit nach der Geburt beginnen und kann über viele Wochen und Monate andauern.
Die Wochenbettdepression ist eine ernstzunehmende und behandlungsbedürftige Erkrankung. Ohne Behandlung, kann sie sich auch über Jahre hinziehen.
Die gute Nachricht ist. In den allermeisten Fällen werden die Frauen mit der richtigen professionellen Begleitung schnell wieder gesund, sodass sie schon bald wieder gut für sich selbst und ihre neue Familie sorgen können.
Wenn du nicht sicher bist, was genau du gerade erlebst, hilft dir die folgende Übersicht zu unterscheiden:
| Merkmal | Babyblues | Wochenbettdepression |
| Beginn | 3. bis 5. Tag nach Geburt | Innerhalb der ersten Wochen bis Monate |
| Dauer | Maximal zwei Wochen | Wochen bis Monate, ohne Behandlung auch Jahre |
| Ursache | Hormonstellung nach Geburt | Vielschichtig (hormonell, psychisch, sozial) |
| Schwere | Leicht, vorübergehend | Schwerwiegender, behandlungsbedürftig |
| Behandlung | Nicht erforderlich | Professionelle Unterstützung notwendig |
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Wie entsteht eine Wochenbettdepression?
Die Ursachen für Wochenbettdepressionen sind vielfältig und individuell. Es gibt nicht die eine Ursache, sondern meist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Daher ist es auch schwer vorher zu sagen, welche Frauen betroffen sein werden.
Und: Schon kleine Veränderungen in einzelnen Bereichen können sich positiv auswirken und die Resilienz der werdenden Mutter stärken. Wir haben zwar nicht immer Einfluss auf alle Bereiche: Schlafmangel wird beispielsweise viele junge Familien betreffen und biografische Ursachen lassen sich im Nachhinein nicht mehr verändern.
Aber vielleicht stehen einige dieser Bereiche doch unter unserem Einfluss. Ein guter körperlicher und sozialer Support kann sich beispielsweise sehr positiv auswirken.
Körperliche Ursachen
- Hormonelle Veränderungen: Nach der Geburt sinken Östrogen- und Progesteronspiegel stark ab. Der Hormonabfall nach der Geburt zählt zu den größten hormonellen Umstellungen in kürzester Zeit, die eine Frauen ihrem Leben erleben kann.
- Schlafmangel: Nächtliches Stillen, Sorgen oder körperliche Beschwerden führen zu Erschöpfung – und die verstärkt die depressive Symptomatik. Viele Frauen denken zuerst gar nicht an eine Wochenbettdepression, sondern vermuten zu erst einmal, dass es ihnen wegen des ungewohnten Schlafmangels psychisch schlecht geht.
- Nährstoffmängel: Eisenmangel, ein niedriger Omega-3 Wert, sowie ein Vitamin-D- oder B12-Mangel können depressive Symptome verstärken. Dieser Mangel entsteht zum Beispiel durch den Blutverlust bei und nach der Geburt, aber auch dadurch, dass du viele Nährstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit an dein Baby abgibst.
Psychische Belastungen
- Negative Vorerfahrungen wie eine lange Kinderwunschzeit, Fehlgeburten oder eine belastende Schwangerschaft oder vorausgegangene Geburt können dazu führen, dass eine junge Mutter bereits mit leeren Akkus in’s Wochenbett startet.
- Eigene oder familiäre Vorbelastung mit psychischen Erkrankungen, wie Depressionen oder Angststörungen, können das Risiko erhöhen, an einer postnatalen Depression zu erkranken.
Biographische Ursachen: Frauen, die bereits traumatische Erfahrungen gesammelt haben, haben ebenfalls ein höheres Risiko. - Perfektionismus: Ein hoher eigener Anspruch an sich selbst, eine gute Mutter zu sein und sein Leben in allen Aspekten exzellent zu meistern, bringt viel Frauen an den Rand der eigenen Leistungsfähigkeit.
Soziale Faktoren
- Fehlende Unterstützung durch Partner, Familie oder Freunde
- Isolation im Wochenbett, besonders durch äußere Umstände, wie beispielsweise während der Pandemie, durch einen Umzug in eine andere Stadt oder durch sprachliche Barrieren durch einen Migrationshintergrund.
- Kulturelle Erwartungen, wie eine "glückliche Mutter" zu sein hat.
Die Wochen nach der Geburt sind körperlich und seelisch fordernd. Gerade jetzt ist Unterstützung wichtig.
Wer ist besonders gefährdet und was kannst du dann tun?
Jede Frau kann eine Wochenbettdepression entwickeln. Dennoch gibt es bestimmte Risikofaktoren, die sich zum Teil auch mit den eben genannten Ursachen decken. Das sind beispielsweise:
- Frühere Depressionen oder Angststörungen
- Unerfüllter Kinderwunsch oder IVF-Behandlungen
- Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt
- Frühgeburt, Kaiserschnitt oder traumatische Geburtserlebnisse
- Fehlende Unterstützung im Alltag
- Schwierigkeiten beim Stillen
- Hohe Selbstansprüche und fehlende Ruhephasen
Wenn du dir bereits in der Schwangerschaft Sorgen machst, dass du an einer postpartalen Depression erkranken könntest, zum Beispiel weil du in deinem Leben bereits mit mentalen Erkrankungen zu tun hattest, du hormonelle Stimmungsschwankungen bestens kennst oder andere Risikofaktoren auf dich zutreffen, kannst du jetzt bereits präventive Massnahmen ergreifen um dein System zu stärken.
Dazu zählen zum Beispiel:
- Pflanzliche Unterstützung der hormonellen Umstellungsprozesse nach der Geburt
- Überlegungen, wie du dein soziales Netz für die Zeit nach der Geburt stärken kannst+
- Kontaktaufnahme mit einer Mütterpflegerin oder den Frühen Hilfen
- Arztgespräche über schulmedizinische Begleitung der Stillzeit mit Psychopharmaka
- Und nicht zu letzt eine gute Geburtsvorbereitung.
All das kann dir helfen, Risikofaktoren zu minimieren und dich bereits im Vorfeld gut zu wappnen. Dabei unterstütze ich dich gerne und du bekommst meistens auch guten Support von deiner Hebamme oder Gynäkologin, wenn du sie gezielt darauf ansprichst.
Postpartale Depressionen bei Vätern
Viele denken bei einer Wochenbettdepression zuerst einmal an neue Mütter. Aber wusstest du, dass auch etwa 5 bis 10 Prozent alle frischgebackenen Väter an einer postpartalen Depression erkranken?
Viele neuen Väter möchten heute gerne am Leben ihrer Kinder intensiv teilhaben und so hat sich die Zeitdauer, die Väter im Durchschnitt mit ihren Kindern verbringen seit den 1960er Jahre verdoppelt. Das führt aber auch dazu, dass sich depressive Erkrankungen von Vätern heute stärker auf die frühkindliche Entwicklung auswirken als früher.
Die Symptome einer väterlichen postpartalen Depression decken sich zum größten Teil mit denen der Mütter, wobei bei Vätern statt Traurigkeit häufiger Reizbarkeit oder Wut auftreten, oder auch der Missbrauch von Alkohol oder Drogen dazu kommt, was naheliegender Weise insbesondere bei stillenden Müttern eher selten der Fall ist.
Auch die Ursachen sind ähnlich, auch wenn die körperlichen Aspekte dabei nicht so stark ausgeprägt sind. Aber auch Männer durchlaufen mit der Geburt eines Kindes hormonelle Umstellungen, so nimmt beispielsweise der Testosteronwert messbar ab und Östrogene nehmen zu.
Erschwerend kommt dazu, dass die paternale, also väterliche postnatale Depression oft erst später entdeckt wird, weil die Väter nach der Geburt seltener Kontakt zu medizinischen Fachpersonen haben. Auch kulturelle Erwartungen und falsche Männlichkeitsbilder führen häufig dazu, dass sich junge Väter oft zu spät Hilfe holen.
Fünf bis zehn Prozent der frischgebackenen Väter erkranken an einer postpartalen Depression. Bei Männern zeigt sie sich häufiger als Reizbarkeit oder Rückzug.
Habe ich eine Postnatale Depression?
- Hast du Schwierigkeiten einzuschlafen, auch wenn dein Baby gut schläft?
- Hast du das Gefühl, fast immer erschöpft zu sein?
- Hat dein Appetit abgenommen?
- Machst du dir Sorgen über Kleinigkeiten, die dich früher nie gestört haben?
- Fühlst du dich leer oder antriebslos?
- Denkst du deinen Kindern würde es ohne dich besser gehen?
- Hast du Schuldgefühle, dein Baby zu wenig zu lieben?
- Befürchtest du, dass dein Mann genervt davon sein könnte, dass du dich immer so fühlst?
- Bist du schnell gereizt und motzt deinen Partner und deine Kinder häufig an?
- Denkst du, alle anderen sind eine bessere Mutter als du?
- Weinst du häufig und wegen der kleinsten Anlässe?
- Kannst du Dinge, die du früher genossen hast, heute nicht mehr genießen?
- Sonderst du dich ab und meidest die Gesellschaft von Freunden oder Nachbarn?
- Hast du Angst, das Haus zu verlassen oder alleine zu sein?
- Hast du Panik-Attacken?
- Wirst du ohne ersichtlichen Grund wütend?
- Fällt es dir schwer, dich zu konzentrieren?
- Denkst du, dass etwas mit dir oder deiner Ehe/Partnerschaft nicht stimmt?
- Hast du das Gefühl, du wirst dich immer so fühlen und es wird nie vorüber gehen?
Viele junge Mütter erleben einige dieser Gefühle. Wenn du also ein oder zwei Fragen mit Ja beantwortest, ist das erstmal nicht schlimm. Wenn du drei oder mehr Fragen mit Ja beantwortet hast, könnte dies ein erster Hinweis auf eine Wochenbettdepression sein, dies ersetzt jedoch keine Diagnose.
Wenn dieses Gefühle über einen Zeitraum von mehreren Wochen anhalten, sprich mit deiner Gynäkologin, deinem Hausarzt und deinem Partner darüber oder mache einen Termin bei mir. Entscheide dich bewusst dafür, dir helfen und dich behandeln zu lassen, denn dies ist der erste Schritt auf dem Weg dich langfristig wieder besser zu fühlen.
Und es ist nicht nur für dich, sondern auch für euer Baby wichtig, dass du schnell wieder gesund wirst. Du kannst dein Baby viel besser in seiner Entwicklung unterstützen, wenn du für es da bist.
Genau, wie wenn du an einem Magen-Darm-Infekt erkrankt bist oder dir ein Bein gebrochen hast, kannst du nicht so gut für dein Kind sorgen, wenn du an einer Wochenbettdepression erkrankt bist.
Das ist nicht deine Schuld, aber es kann eine Motivation sein, dir professionelle Hilfe zu holen. Denn Kinder brauchen Eltern, die adäquat reagieren, um sich im Leben zurecht zu finden und sich gesund zu entwickeln.
Dir Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern es ist mutig und das Beste, was du jetzt für dein Baby und dich selbst tun kannst.
Traurigkeit, innere Leere oder Schuldgefühle nach der Geburt sind ernstzunehmende Symptome. Professionelle Hilfe kann entlasten.
Was kann ich tun, wenn ich mir oder meinem Baby etwas antun möchte?
Eine Frage habe ich oben bewußt ausgespart, denn es ist eine besonders wichtige Frage: Denkst du darüber nach, dir oder deinem Baby etwas anzutun?
Ich habe diese Frage aus zwei Gründen ausgespart.
Vielleicht hast du mit Nein geantwortet. Es ist nicht immer der Fall, dass Frauen mit einer Wochenbettdepression suizidale Gedanken haben. Und mir ist es wichtig, dass du die Schwere deiner Erkrankung erkennst, auch wenn dir nichts ferner liegen würde, als deinem Baby etwas anzutun. Du kannst sehr wohl eine wirklich belastende und schwerwiegende Wochenbettdepression haben, ohne einen einzigen Gedanken an Selbstverletzung zu haben.
Falls du diese Frage mit Ja beantwortet hast, möchte ich dir folgendes mitgeben: Solche Gedanken können ein Symptom einer depressiven Erkrankung sein. Du möchtest das nicht wirklich, sondern du möchtest nicht mehr leiden. Das ist normal, niemand möchte, dass es ihm oder ihr so schlecht geht. Du bist keine schlechte Mutter oder kein schlechter Vater, nur weil du solche Gedanken denkst.
Aber du bist krank und du benötigst dringend Hilfe. Und du bist verantwortlich für das Wohlergehen dieses neuen Menschen. Bitte suche dir deswegen umgehend und so schnell wie möglich Unterstützung bei deiner Gynäkologin oder Hebamme, bei deinem Hausarzt oder über eine der unten stehenden Notfall Telefonnummern.
Die Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 ist rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenlos. Wenn du dir als Angehöriger konkret und akut Sorgen um Mutter und/oder Kind machst, kannst du auch jederzeit die Notfallnummer 112 anrufen.
„Sich Hilfe zu holen ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern die vielleicht mutigste und liebevollste Entscheidung, die du in dieser Zeit für dich und dein Baby treffen kannst."
Mura Frey-Balke, Heilpraktikerin und Expertin für ganzheitliche FrauengesundheitWas kannst du tun? Hilfe und Wege zur Heilung
Hole dir professionelle Unterstützung, wenn es dir nicht gut geht. Dies ist ein Zeichen von Stärke und Selbstfürsorge.
1. Sprich darüber
Der wichtigste erste Schritt ist, offen mit einer Vertrauensperson zu sprechen – deiner Hebamme, deinem Partner, deiner Ärztin oder einer Freundin. Allein das Aussprechen kann entlasten und weitere Hilfe ermöglichen.
2. Professionelle Begleitung
Bei Verdacht auf eine Wochenbettdepression solltest du zuerst einmal einen niedrigschwelligen Kontakt suchen, also deinen Gynäkologen, deine Hebamme oder die Hausärztin ansprechen.
Diese wird eine erste Anamnese machen und dich an eine Fachärztin für Psychiatrie oder einen Psychotherapeuten verweisen. Auch psychosomatische Fachkliniken bieten spezielle Mutter-Kind-Therapien an.
Tipp Nr 1: Einige Kliniken bieten eine „Mutter-Kind-Aufnahme“ an. So kannst du dich erholen, ohne dein Baby abzugeben.
Oft kennt deine Hebamme oder Gynäkologin die Unterstützungsangebote vor Ort, deswegen ist sie meistens die erste richtig gute Anlaufstelle.
Leider kommt es ab und zu vor, dass sich Frauen in dieser herausfordernden Situation nicht ernstgenommen fühlen oder die Schwere der Erkrankung nicht sofort erkannt wird. Nimm am Besten deinen Partner oder eine Freundin mit zu diesen Gesprächen und scheue dich nicht, einen zweiten Anlauf an anderer Stelle zu unternehmen, wenn du zuerst keine bestärkende oder unterstützende Erfahrung machen solltest.
Tipp Nr. 2: Oft ist es in der neuen Situation mit Baby und wegen der depressiven Symptomatik der Antriebslosigkeit schwierig, Termine zu vereinbaren und wahrzunehmen. Bitte deine Angehörigen dich dabei zu unterstützen.
Tipp Nr. 3: Wenn du den Artikel für jemand anderen liest, biete deine Hilfe an, Termine zu vereinbaren und einzuhalten. Mach auf keinen Fall Vorwürfe, wenn die junge Mutter oder der frischgebackenes Vater es gerade nicht selbst schafft, zum Telefon zu greifen, im Internet zu recherchieren oder den Termin alleine wahrzunehmen. Es braucht jetzt Entlastung und keinen zusätzlichen Druck.
3. Medikamente
In einigen Fällen können Antidepressiva notwendig sein und einen Ausweg bieten. Einige Präparate gelten auch während der Stillzeit als sicher. Die Entscheidung trifft immer ein Facharzt nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko.
Tipp Nr. 4: Überlege bereits vor der Geburt, eventuell gemeinsam mit deiner Ärztin, ob das für dich in Frage kommt. Denn nach der Geburt bist du vielleicht zu müde oder erschöpft, um eine fundierte und informierte Entscheidung zu treffen. Setzte Medikamente außerdem niemals ohne Rücksprache ab, wenn du unsicher bist, ob du das richtige tust.
4. Naturheilkundliche Unterstützung, Struktur und Selbstfürsorge
Es gibt einige Möglichkeiten, dich ganzheitlich unterstützen zu lassen oder selbst etwas dafür zu tun, damit es dir besser geht.
- Naturheilkundliche Präparate, wie pflanzliche oder homöopathische Mittel können unterstützend wirken. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Wechselwirkungen mit Antidepressiva bestehen können und nicht alle Präparate in der Stillzeit geeignet sind. Du solltest dich deswegen hierbei ebenfalls gut beraten und unterstützen lassen und diese Medikamente nicht eigenmächtig einnehmen.
- Kleine Rituale im Alltag helfen, den Tag zu strukturieren. Das kann dir helfen, wenn du dich antriebslos fühlst.
- Berührungen beispielsweise durch den Partner oder professionelle Massagen: Vielleicht magst du einen Termin zu einer therapeutischen Frauenmassage vereinbaren. Hier bekommst du neben der Massage auch Verständnis für deine Situation und kannst über die Geburt, die Mutterschaft und deine Gefühle sprechen.
- Entlastung durch eine Haushaltshilfe, die Frühen Hilfen oder eine Mütterpflegerin: Diese Unterstützungsangebote werden von der Krankenkasse bezuschusst, wenn eine Diagnose gesichert vorliegt. Auch deswegen ist eine ärztliche Diagnostik wichtig.
- Entspannungsverfahren wie Hypnose, Meditation oder achtsames Atmen
- Zeit im Freien, Sonnenlicht und Bewegung (auch kurze Spaziergänge)
- Bewegung und Sport: Cardioaktiver Sport hilft erwiesenermaßen sehr gut bei depressiven Erkrankungen. Oft kann es aber schwierig sein jetzt sportlich aktiv zu werden, weil du dich noch von der Geburt erholst und dein Baby dir keine Zeit dafür lässt. Buche einen Rückbildungskurs etwa 6 bis 8 Wochen nach der Geburt. Oft bieten die Anbieter weiterführende Sportangebote im Anschluss an, die du vielleicht sogar mit Baby besuchen kannst. Ein bis zwei feste Termin in der Woche sind hilfreich, wenn es dir an Antrieb fehlt.
Tipp Nr. 5: Normalerweise ist jetzt Entlastung wichtig. Du darfst gerne erst einmal alle deine Verpflichtungen absagen und an andere übertragen. Du bist krank, das ist okay. Aber auch wenn du auf gar nichts Lust hast: Bewegung ist unverzichtbar und der beste Weg, um deine Biochemie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Gib dein Bestes, um dich zu bewegen und zumindest im Kleinen aktiv zu werden. Du wirst sehen, dass es dir guttut.
Was du als Partner oder Angehörige tun kannst
Wenn du den Eindruck hast, dass eine Frau in deinem Umfeld betroffen ist, kannst du viel bewirken:
- Nimm ihre Gefühle ernst, ohne zu werten oder zu relativieren
- Sorge für Entlastung und biete konkrete Hilfe an, z. B. bei der Kinderbetreuung, im Haushalt oder bei Behördengängen
- Ermutige sie, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Biete deine Hilfe an, Termine zu vereinbaren und einzuhalten. Mach auf keinen Fall Vorwürfe, wenn die junge Mutter oder der frischgebackenes Vater es gerade nicht selbst schafft, zum Telefon zu greifen oder im Internet zu recherchieren. Sie braucht Entlastung, und keinen zusätzlichen Druck.
- Depressionen und andere mentale Erkrankungen haben nicht mit Schwäche oder mangelnder Motivation zu tun. Überlege dir, welche Vorurteile du selbst über psychische Erkrankungen hast. Würdest du so auch über jemanden denken, der sich ein Bein gebrochen hat oder an Krebs erkrankt ist?
- Sorge auch für dich selbst, wenn du miterlebst, wie eine nahestehende Person leidet. Depressive Erkrankungen können langanhaltend sein und das ganze Familiensystem belasten. Es ist wichtig, dass du gesund bleibst. Was tust du für deine Selbstfürsorge?
Weiterführende Hilfsangebote bei Wochenbettdepression
Ich arbeite schon lange und gerne mit einigen Institutionen zusammen und bin Mitglied in mehreren Vereinen, die sich um die psychische Gesundheit rund um die Geburt kümmern. Hier habe ich einige wichtige Ansprechpartner, Websites die Hilfe anbieten und Telefonnummern für euch gesammelt.
- Der Verein Schatten und Licht e. V. ist Selbsthilfeinitiative für peripartale psychische Erkrankungen und bietet auch eine Liste von Therapeuten an, die Frauen und Familien bei einer Wochenbettdepression begleiten können. Eine weitere Möglichkeiten eine Psychotherapeutin zu finden, ist zum Beispiel die Psychotherapeutensuche der Psychotherapeutenkammer des jeweiligen Bundeslandes.
- Die Frühen Hilfen bieten Informationen und Unterstützung für Familien. Das Nationale Zentrum der Frühen Hilfen bietet eine Suche nach Postleitzahl an, welche Anlaufstellen es in deiner Region gibt. Sie bieten zum Beispiel eine Hebammenbetreuung über das Wochenbett hinaus und für das ganze erste Lebensjahr an.
- Das Juno Netzwerk Schwangerschaft und Psyche in Köln ist eine Plattform, die Hilfsangebote im Kölner Raum, aber auch deutschlandweit sammelt und strukturiert. Ähnliche Netzwerke gibt es auch in anderen größeren deutschen Städten.
- Die Telefonseelsorge, rund um die Uhr erreichtbar, anonym und kostenlos: 0800 11 0 111
- Das Hilfetelefon schwierige Geburt hilft euch, wenn die Geburt herausfordernd war und dies vielleicht auch zur Entstehung der postnatalen Depression beigetragen hat.
- Der Verein Elternhafen bietet kostenlose Beratungen rund um die frühkindlichen Bedürfnisse an
Darüber hinaus gibt es in dann meisten Regionen lokale Hilfsangebote für junge Familien, zum Beispiel über kirchliche und öffentliche Träger. Eine kurze Internetsuche mit Stichworten wie „Mutter Kind Beratung“, „Hilfe bei Wochenbettdepression“ oder „Schreiambulanz“ (z. B. Schreiambulanz Köln) plus die nächste größere Stadt in deiner Nähe bringt euch hier sicher weiter.
Wochenbettdepression ist kein Versagen
Psychische Erkrankungen sind noch immer in der Gesellschaft stigmatisiert. Menschen mit mentalen Erkrankungen gelten als schwach, labil oder „müssen sich einfach mal nur zusammenreissen“.
Deswegen wird die Erkrankung an einer Wochenbettdepression oft als persönliches Scheitern oder wie ein Versagen empfunden.
Doch sie ist weder ein Zeichen von Schwäche noch ein Ausdruck mangelnder Liebe. Sie ist eine behandelbare Erkrankung mit körperlichen Ursachen – und du darfst Hilfe annehmen, so wie du es auch bei anderen Erkrankungen tun würdest.
Wenn du dich im Wochenbett traurig, erschöpft oder überfordert fühlst, dann bist du damit nicht allein: zehn bis 15 Prozent aller Mütter und etwa fünf bis zehn Prozent aller Väter nach der Geburt sind davon betroffen.
Und die allermeisten finden schnell einen Weg zurück in ihr Gleichgewicht.
Es ist mutig, dir einzugestehen, dass es dir nicht gut geht – und es ist heilsam, dir Hilfe zu holen.
Eine Wochenbettdepression ist sehr gut behandelbar. Mit der richtigen Unterstützung kannst du wieder Vertrauen in dich selbst entwickeln und eine liebevolle Verbindung zu deinem Baby aufbauen. Es ist nie zu spät dafür.
Fazit: Sei achtsam, liebevoll und ehrlich mit dir selbst. Sprich mit jemanden darüber wie es dir geht. Es ist ein Zeichen von Stärke, dir helfen zu lassen.
Eine Wochenbettdepression ist sehr gut behandelbar. Mit der richtigen Unterstützung findest du zurück zu Vertrauen, Nähe und Freude an eurem gemeinsamen Familienleben.
Zwölf Affirmationen im Wochenbett – heilende Worte für schwere Tage
Ein Symptom von Depression ist das Kreisen um negative und selbstabwertende Gedanken. Mit Hilfe von Affirmationen kannst du dich selbst unterstützen, andere Gedankenmuster in dein Leben zurück zu bringen.
Die folgenden Affirmationen für mehr Selbstmitgefühl, Heilung und Vertrauen können dich durch dunklere Momente im Wochenbett begleiten. Du kannst sie dir aufschreiben und immer wieder durchlesen oder aussprechen, du kannst sie dir als Bildschirmhintergrund speichern, an die Wand hängen zum Beispiel über den Wickeltisch oder an deinen Badezimmerspiegel, so dass du sie immer wieder liest.
Und du darfst auch ganz eigene Affirmationen erfinden, die dir gefallen.
Sie sind kein Ersatz für Hilfe, aber sie können deine innere Zuversicht stärken und deine Selbstwahrnehmung liebevoll neu ausrichten.
- Ich muss nicht jeden Gedanken glauben, den ich denke. Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin mehr als meine Gefühle.
- Ich darf erschöpft sein. Ich darf Hilfe brauchen. Ich bin genug.
- Auch wenn heute schwer ist, bin ich in Sicherheit.
- Ich atme, ich heile, Schritt für Schritt.
- Ich bin auf meinem Weg. Ich muss nichts leisten, um wertvoll zu sein.
- Ich darf mein Baby in meinem eigenen Tempo kennen und lieben lernen.
- Liebe wächst. Ich vertraue darauf, dass sie ihren Weg findet.
- Auch wenn ich mich gerade verloren fühle: Ich bin eine gute Mutter.
- Mein Körper heilt. Meine Seele heilt. Ich bin nicht allein.
- Jeder neue Tag bringt die Möglichkeit von Licht. Ich öffne mich dafür.
- Ich darf mich tragen lassen, bis ich wieder selbst stehen kann.
- Es ist heilsam, mir selbst liebevoll zu begegnen.
„Muttersein beginnt nicht immer mit Glück, aber immer mit Hingabe – Hingabe an das was ist, Hingabe an ein neues Leben und Hingabe an den eigene inneren Prozess."
Mura Frey-Balke, Heilpraktikerin und Expertin für ganzheitliche FrauengesundheitHäufige Fragen zur Wochenbettdepression
Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression (postpartale Depression)?
Typische Symptome einer Wochenbettdepression sind anhaltende Niedergeschlagenheit oder Gefühlsleere, Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, kreisende Gedanken um Wertlosigkeit, Überforderung, Schuldgefühle oder die Sorge, keine gute Mutter oder kein guter Vater zu sein. Auch eine fehlende Bindung und Liebe zum Kind kann den Betroffenen auffallen.
Eine postpartale Depression erkennst du außerdem daran, dass sie auch noch einige Wochen oder sogar Monate nach der Geburt auftreten kann und dass die negativen Gefühle nicht nach kurzer Zeit (ein bis zwei Wochen) wieder nachlassen.
Bei Frauen äußert sie sich die postpartale Depression zusätzlich häufiger in Traurigkeit, bei Männern eher in Reizbarkeit oder im Missbrauch von Alkohol.
Sollten Gedanken dazu kommen, dass du dir oder deinem Kind etwas antun möchtest, hole dir bitte umgehend professionelle Unterstützung, zum Beispiel über die Telefonseelsorge: 0800 111 0 111.
Wie lange dauert eine postpartale Depression?
Eine postpartale Depression kann sich auch noch Monate nach der Geburt entwickeln und über viele Wochen bis Monate anhalten. Bei einer zügigen Behandlung verkürzt sich die Krankheitsdauer, ohne Behandlung kann eine Wochenbettdepression auch über einige Jahre anhalten.
Wie viel Prozent der Frauen entwickeln nach einer Geburt eine postpartale Depression?
Je nach Quelle entwickeln etwa zehn bis 15 Prozent aller Frauen nach der Geburt eine Wochenbettdepression. Auch Väter können betroffen sein, davon erkranken etwa fünf bis zehn Prozent.
Können auch Väter an einer Wochenbettdepression erkranken?
Ja, auch etwa fünf bis zehn Prozent der jungen Väter erkranken an einer sogenannten paternalen postpartalen Depression. Es erkranken zwar grundsätzlich mehr Mütter an einer Wochenbettdepression, aber bei neuen Vätern kommt oft erschwerend hinzu, dass die postpartale Depression erst später entdeckt wird, weil die Väter nach der Geburt seltener Kontakt zu medizinischen Fachpersonen haben. Auch kulturelle Erwartungen und falsche Männlichkeitsbilder führen häufig dazu, dass sich junge Väter oft zu spät Hilfe holen.
Was hilft bei einer postpartalen Depression?
Die postpartale Depression wird klassischer Weise mit Psychotherapie und in schweren Fällen auch mit Antidepressiva behandelt. Auch eine stationäre Aufnahme in einer psychiatrischen Fachklinik mit Mutter-Kind Konzept oder eine Mutter-Kind-Kur in einer psychosomatischen Reha können helfen.
Der erste Schritt ist, mit einer vertrauten Person oder einer medizinischen Fachperson über deine bestehenden Gefühle zu sprechen. Dies kann oft schon eine erste Erleichterung bringen.
Eine konkrete Diagnose durch eine Gynäkologin, einen Hausarzt oder eine psychiatrische Fachärztin hat den Vorteil, dass Unterstützungsangebote wie eine Haushaltshilfe oder eine Mütterpflegerin durch die Krankenkasse finanziert werden können.
Da es oft schwer sein kann, einen Platz bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten zu bekommen, lass dich auf die Wartelisten setzen.
Darüber hinaus helfen dir Bewegung, Massagen, gute Ernährung, Entspannungstechniken, und Entlastung bei Alltagsaufgaben. Auch Phythotherapie und Nahrungsergänzungsmittel können hilfreich sein, sollten aber nicht ohne Rücksprache eingenommen werden.
Diese ergänzenden Massnahmen ersetzten zwar nicht die psychotherapeutische Behandlung, können aber oft helfen, die Zeit bis zu einer Psychotherapie zu überbrücken.
Wie hoch sind die Heilungschancen für Wochenbettdepression?
Die Wochenbettdepression ist eine sehr gut behandelbare Erkrankung. Mit Behandlung durch Psychotherapie, und in schwereren Fällen auch Antidepressiva, liegt die Chance auf komplette Heilung bei über 90 Prozent. Hole dir deswegen frühzeitig professionelle Unterstützung. Auch wenn es schwer sein kann, einen Platz bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten zu bekommen, lass dich auf die Wartelisten setzen.
Was ist der Unterschied zwischen einer postpartalen und einer postnatalen Depression?
Beide Begriffe meinen die gleiche Erkrankung, die Wochenbettdepression und wurden Langezeit synonym verwendet. Der Begriff „postnatale Depression“ gilt als etwas veraltet, denn es gibt einen semantischen Unterschied: Die Vorsilbe post heißt auf lateinisch nach. Mit postnatal beschreibt man die Zeit nach der Geburt, bezogen auf das Kind (lat. natus = geboren). Mit postpartal hingegen meint man den Zeitraum nach der Geburt, bezogen auf die Mutter (lat. partus = die Entbindung, das Gebären). Somit ist die medizinisch korrekte Bezeichnung die "postpartale Depression“, da ja die Mutter erkrankt ist und nicht das Kind.
Hallo, ich heiße Mura
Ich lebe mit meinem Mann und zwei (tollen:) Kindern in Köln. Ich arbeite seit 2009 als Heilpraktikerin, Hypnotherapeutin und Kursleiterin für Hypnobirthing und Hypnomothering.
In meiner Praxis für Frauen- und Familiengesundheit liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit auf dem Kinderwunsch, der Schwangerschaft, der Mutterschaft und hormonellen Beschwerden. Ich begleite seit vielen Jahren Frauen und Paare mit Hypnotherapie, Homöopathie und naturheilkundlichen Methoden, z. B. nach traumatischen Geburtserfahrungen, Fehlgeburten oder in der Kinderwunschzeit.
2012 habe ich mein eigenes Hypnobirthing Programm entwickelt. Praxisnah, fundiert und auf die Bedürfnisse moderner Frauen abgestimmt.
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